Gemeinsam mit der Nachbarschaft

Gemeinsam mit der Nachbarschaft

 

Veränderung ist möglich!

Das Mönchsfeld ist die Heimat von mehr als 1.000 Bewohnern in Kölns nördlichstem Norden und liegt in Roggendorf/Thenhoven gegenüber der S-Bahn Haltestelle Köln-Worringen. Gebaut in den 1960er Jahren als Erweiterung des bestehenden Dorfkerns, sollten mehrgeschossige Sozialbauten helfen, die Wohnungsnot in den Griff zu bekommen. Doch alter Kern und neues Quartier sind in Folge nie richtig zusammengewachsen, viele Einwohner waren bis heute nicht in der Siedlung, auch wenn der tägliche Weg von der S-Bahn an ihren Außengrenzen entlangführt. Maximilian Helmes (22), Schützenbruder und aktiv in der Dorfgemeinschaft, erinnert sich: „Die Siedlung war für uns eine No-Go Area“. Doch trotz fehlender Bezüge zueinander, war innerhalb der Siedlung lange Zeit eine gute Nachbarschaft vorhanden. Heinz Thomm wohnt seit 10 Jahren mit seiner Frau Heike in der Berrischstraße und kann auf viele positive Erfahrungen zurückblicken. Seiner Meinung nach war vieles früher besser, es gab eine intakte Nachbarschaft, saubere Außenbereiche und viele gegenseitige Besuche der Kinder.

 

Das Mönchsfeld - Sozialer Brennpunkt und Heimat von mehr als 1000 Bewohnern in Kölns nördlichstem Norden.

Gebaut in den 1960er Jahren mit mehrgeschossigen Sozialbauten an der S-Bahn in Köln Roggendorf  - ist aber nie  mit dem alten Dorfkern des Ortes zusammengewachsen. Es gibt viele Kinder und Jugendliche - entgegen dem Trend im Stadtbezirk wächst die Altersstufe der 6-21jährigen in den nächsten Jahren immens an und liegt kölnweit an der Spitze. Gleichzeitig herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und Kinderarmut. Die Gebäude sind in einem desolaten Zustand - die Bausubstanz ist in die Jahre gekommen und benötigt dringend Generalüberholung . Auf den Dächern, in den Fluren, an Fenstern und in Wohnungen werden Ausbesserungen von den Mietern vorgenommen,  weil der Vermieter nicht nachkam. Die Fusion der Deutschen Anningten zur Vonivia 2015 gab den Bewohnern nicht unbedingt Hoffnung, dass sich etwas ändert.

 

Fakten

Viele Kinder gibt es noch heute, Roggendorf wächst bis 2025 entgegen dem Trend im Stadtbezirk um bis zu 28,4% in der Altersstufe der 6-21-Jährigen (KJFP 2016-2020, S. 67). Während in Stadtteilen wie Merkenich ein Rückgang um bis zu 18% in der Altersstufe zu erwarten ist, ist Roggendorf im bezirklichen Vergleich damit Spitzenreiter und auch Kölnweit in der Spitzengruppe. Gleichzeitig ist der Stadtteil durch eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und Kinderarmut geprägt, jedes zweite bis dritte Kind ist von Transferleistungen abhängig und 35% der Haushalte sind alleinerziehend (KJFP 2016-2020, S. 68).

 

Kirche im Mönchsfeld

Eine Entwicklung, die die Gemeinde St. Pankratius am Worringer Bruch seit vielen Jahren beobachtet. Als Kirchengemeinde ist eine unserer caritativ diakonischen Aufgaben die Not und Sorgen aller Menschen in unseren fünf Kirchorten wahrzunehmen und aktiv Lösungen mit allen Beteiligten anzumahnen. Allzu oft habe wir in den vergangenen Jahren aber erleben müssen, dass trotz umfangreicher Anstrengungen nur wenig Verbesserung möglich war. Für die Kinder und Jugendlichen gibt es schon längere Zeit soziale Angebote der katholischen Träger Sozialdienst Katholischer Frauen (skf) und Sozialdienst Katholischer Männer (skm), die einen offenen Treff und einen Bauwagen vor Ort betreuen. Auch der Krebelshof ist als offenes Jugendzentrum nur einige Minuten entfernt. 

 

Kampagne zum Wohnen im Mönchsfeld

Es sind die Gebäude, die Heinz Thomm zu schaffen machen. Seit Jahren ist er der Kümmerer in der Siedlung, schließt Handwerkern die Keller auf und hört sich die Sorgen der Nachbarn an. An vielen Stellen ist die Bausubstanz in die Jahre gekommen und benötigt dringend eine Generalüberholung. Der vorherige Eigentümer, die Gagfah, war zwar immer für die Sorgen ansprechbar, hat über 20 Jahre aber einen massiven Investitionsstau aufgebaut. Auf den Dächern, in den Fluren, an den Fenstern und auch in den Wohnungen selbst sind massive Schäden, die von den Mietern teilweise in Eigenarbeit ausgebessert wurden. Die Gagfah ist mittlerweile Geschichte, im Herbst 2015 fusionierte das Unternehmen mit der Deutschen Annington zur Vonovia AG; das entstandene Unternehmen wurde dadurch auf einen Schlag der größte private Vermieter Deutschlands. Dieser Umstand gab Bewohnern und Akteuren vor Ort nicht unbedingt Hoffnung, dass sich demnächst etwas ändern würde.

 

Phase 1: Themenfindung und Recherche

Zu diesem Zeitpunkt brachte die Katholische Kirchengemeinde St. Pankratius die Situation im Mönchsfeld in den Themenfindungsprozess der Bürgerplattform Stark! im Kölner Norden ein. Bereits im Oktober 2015 hatten sich 30 Gruppen aus dem Kölner Norden mit 800 Menschen öffentlich zueinander bekannt und sich in Folge auf den Weg gemacht die Themen des Kölner Nordens konstruktiv miteinander zu verhandeln. Die Pfarrei war eine der ersten Gruppen, die sich am Aufbauprozess beteiligte und brachte Engagierte aus der Bürgerplattform mit Bewohnern aus dem Mönchsfeld zusammen.

 

Nicht nur im Mönchsfeld

Es war bereits abzusehen, dass Wohnen einer der ersten Themenbereiche der Bürgerplattform werden wird, da viele Geschichten von Diskriminierung und vergeblicher Wohnungssuche aus dem ganzen Kölner Norden erzählt wurden, aber die Geschichten aus dem Mönchsfeld waren aber besonders beeindruckend. Vor allem da trotz aller Mängel und Frustration auch immer wieder deutlich wurde, dass sich hier die Bewohner selbst auch den Weg machen, um in ihrer Nachbarschaft etwas zu ändern. Heinz Thomm ist noch das erste Zusammentreffen präsent: „Wir saßen in unserer Küche und es hörte endlich mal jemand zu, wenn wir von den Problemen berichteten“. Solche Treffen und Geschichten wie mit Familie Thomm gab es viele in Folge und es verdeutlichte sich die strukturelle Dimension im Mönchsfeld. Um die Geschichten in ihrer Tragweite analysieren zu können, entwickelten Bewohner und Engagierte aus der Bürgerplattform in Folge einen Fragebogen, der von den Bewohnern dann in den Hausaufgängen verteilt und bearbeitet wurde. Aus diesem Rücklauf ergab sich eine Prioritätenliste, mit der mit dem Eigentümer in Verhandlung getreten werden konnte. Konkret ging es darum:

  • Reparaturen an Dach, Fluren und Fenstern
  • Reparaturen in den Wohnungen
  • Verbesserte Kommunikation und Rücklauf zu Bearbeitungsständen
  • Wiedereinführung einer Mietersprechstunde und Schaffung eines Vor-Ort-Büros,
  • Ansprache von kriminellen Mietern und Umsetzung der Hausordnung,
  • Erhöhung der Sicherheit in der Siedlung,
  • Verhinderung des Abladens von Sperrmüll von außen und
  • Verbesserung des Zustands von Spiel- und Bolzplatz.

Bereits in der Recherche wurde deutlich, dass alle diese Themen auf den Eigentümer gerichtet sind und sich auf dessen Privatgelände abspielen. Dadurch war die Stadt Köln nur mittelbar Ansprechpartner für die identifizierten Themen.

 

Phase 2: Verhandlung

In der Bewohnerschaft waren schon unterschiedliche Erfahrungen mit der Vonovia vorhanden, aufgrund der Größe des Unternehmens rechneten alle aber auch mit Schwierigkeiten, an einen Termin zu Verhandlung zu kommen. Eine erste Kontaktaufnahme zeigte aber direkt eine positive Resonanz, insofern dass man sich mit den Bewohnern gerne an einen Tisch setzen werde und in vier Wochen im Mönchsfeld zusammenkomme. Herr Mentges, der zuständige Regionalleiter Köln/Bonn, dazu: „Unsere Zusammenarbeit mit den Bewohnern und der Bürgerplattform ist sachlich und lösungsorientiert.“. Beide Seiten hatten Interesse daran, dass sich an der Situation vor Ort etwas ändere und auch die Vonovia hatte eine Vorstellung davon, was in der Siedlung passieren soll. Diakon Gill beschreibt die Anspannung, die vor dem ersten Treffen herrschte: „Wieder versammelten wir uns mit Bewohnern und Vertretern von Stark! in der Küche einer Bewohnerfamilie. Niemand wusste, wie die Verantwortlichen der Wohnungsbaugesellschaft auf unsere Forderungen reagieren würden  “. Als Anfang Mai 2016 dann das Treffen stattfand, war man sich schnell einig, dass viele der identifizierten Punkte von beiden Seiten als Handlungsschwerpunkte gesehen werden. Auf einem ersten Rundgang durch die Häuser wurde dann festgehalten, was jeweils zu tun sei und dass man bis zum 01. Juni 2016 ein erstes Ergebnis präsentieren möchte. Die Bürgerplattform hatte für diesen Tag bereits eine Vollversammlung mit 200+ Menschen angesetzt, bei der mit Presse und weiterer Stadtgesellschaft konkrete Schritte für das Mönchsfeld vereinbart werden sollten. Auch die Bewohner waren in der Vorbereitung beteiligt und es zeigten sich Schritt für Schritt erste Ergebnisse aus dem Vorgespräch: es wurde ein konkreter Termin für die Dachsanierung und den Sicherheitsdienst benannt und am 31.05. gab es noch eine umfangreiche Begehung mit dem Sicherheitsdienst und den Handwerkern.

 

Phase 3: Öffentliche Aktion und konkreter Zeitplan

Diese Schritte waren soweit konkret geworden, dass diese auf der Vollversammlung am 01. Juni auch benannt werden konnten. Neben den notwendigen Reparaturen war es vor allem die bessere Kommunikation miteinander, die sowohl Bürgerplattform als auch Vonovia betonten. Neben festen Ansprechpartnern (als Ergänzung zur bestehenden Hotline), war es auch die geplante Einrichtung eines Objektbetreuer-Büros, das zusätzliche kontinuierliche Ansprache ermöglichen sollten. Nur bei der Sanierung der Spielplätze im Innenhof konnte man sich noch nicht einigen und verschob die Verhandlung auf Anfang 2017. Herr Mentges war am 01. Juni mit seinem Stellvertreter und der Presseabteilung selbst vertreten. Man einigte sich am 01. Juni auf:

  • Reparaturen an Dach im Sommer 2016
  • Sanierung der Eingangsbereiche im Juni 2016
  • Reparaturen in den Wohnungen nach Bedarf, exemplarisch: Asbest-Sanierung in einer Wohnung zeitnah
  • Konkrete Ansprechpartner zu Bearbeitungsständen von Reparaturen
  • Persönliche Ansprache bei Verstößen gegen die Hausordnung durch den Vermieter
  • Einrichtung eines Objektbetreuer-Büros in 2016
  • Sicherheitsdienst für 4 Wochen (ab 06. Juni) in den Abendstunden.

Dies wurde sowohl auf Video als auch in einer gemeinsamen Pressemitteilung festgehalten und mit einem gemeinsamen Gruppenfoto besiegelt. Matthias Gill und Heinz Thomm sind darauf zu sehen und auch Maximilian Helmes war mittlerweile schon mehrmals in der Siedlung.

 

Phase 4: Auswertung und Nacharbeiten

Wenn man die Forderungen mit den Ergebnissen vergleicht, sind viele Schritte angestoßen worden, die auch so gefordert wurden. Es gibt aber Lücken und Veränderungen, die sich im Laufe der Verhandlungen ergeben haben. So konnten die Spielplätze nicht saniert werden, haben im Juli aber zumindest neuen Sand erhalten. Für die Dachsanierung gab es erst Anfang August einen konkreten Starttermin aber Ende September sind die Arbeiten auch schon abgeschlossen. Das Objektbetreuer-Büro ist seit August im kleineren der beiden Ladenlokale im Bau aber bis September immer noch nicht eröffnet. Der Sicherheitsdienst war vier Wochen im Einsatz und wurde ohne größere Verhandlung in Folge mit kleinerer Stundenzahl verlängert. All dies war nur möglich, weil auch ohne weitere Aktion ein Umgang miteinander entstanden ist, der Nachverhandlungen und Absprachen direkt von Bewohnern zu Eigentümer ermöglichte. Darüber hinaus wurde auch im Nachgang und in der Erfahrung mit dem Sicherheitsdienst die Polizei als weiterer Partner eingebunden und in die Kommunikation eingebunden. So soll auch alle zwei Wochen eine Sprechstunde der Polizei im Büro vor Ort stattfinden und die Siedlung wird nochmals anders bestreift. Alles in allem ein zufriedenstellendes Ergebnis, das von allen Seiten mitgetragen wird.

 

Ausblick 2018

Durch einen Zusammenschluß der katholischen Träger vor Ort wurde es möglich das leerstehende, ehemalige Schlecker-Gebäude am Rand der Siedlung anzumieten. Mithilfe aller Sozialträger, der Kirchengemeinde und dem Stadtbezirk Chorweiler  entstand ein sozialräumliches Konzept, dass den gesamten Ort mit seinen Generationen und Milieu übergreifenden Herausforderungen annimmt. Das entstehnde Begegnungszentrum erhält durch seinen Standort am Schnittpunkt aller Herausforderungen eine besondere Bedeutung. Das Konzept liegt seit Januar 2018 der Stadt Köln, namentlich unserer Oberbürgermeisterin, zur Entscheidung vor. Temporäre Zwischenlösungen werden durch eine Steuerungsgruppe geplant und umgesetzt. die Mitarbeit der Bewohner ist von seiten der Kirchengemeinde ausdrücklich erwünscht.

 

Tobias Meier/Matthias Gill

 

Wenn Sie sich für die Arbeit der Kirchengemeinde im Mönchsfeld interessieren wenden Sie sich bitte per Mail an Zentrales Pastoralbüro

St. Pankratius am Worringer Bruch

Zentrales Pastoralbüro

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50769 Köln-Worringen

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